Tag 15: Lesen Sie das!!!

Früher war das Ausrufezeichen eine Besonderheit. Und heute? Stehen am Ende jedes Satzes in einem E-Mail gleich drei davon. Das fühlt sich nach angeschrien werden an.

Neulich beim Ausfüllen eines Kontaktformulars stand: Bitte ausfüllen!!  Zwei Wörter, zwei Ausrufezeichen. Als wollte das Formular sagen: Na los, wird’s bald?  Nach der Anrede bei Briefen war das Zeichen bis in die Sechzigerjahre üblich – heute wirkt das unpassend und auf jeden Fall veraltet. Auch, wenn es noch immer häufig anzutreffen ist.

Wo man auch hinschaut: Das Ausrufezeichen ist schon da, oft sogar mehrfach. Auf Schildern (»Die Benutzung der Toilette ist kostenlos!!«), Wahlplakaten (»Gerechtigkeit!«), Briefen (»Sehr geehrter Frau Wagner!«). Diese Sätze wären auch mit Punkt oder Komma ausgekommen, aber das war offenbar zu wenig. Bei Facebook und WhatsApp ist es längst normal, dass Sätze mit einem Ausrufezeichen enden. Zwischen »toll!!!!« und »juhu!!!« wäre ein nüchternes »Schön« beinahe ein Affront. Wie albern!!

Laut aktuellem Duden verleiht das Zeichen »dem Vorangehenden einen besonderen Nachdruck«, ist also eine Art Textmarker, das wichtige Sätze noch mal unterstreicht. Dabei ist das Ausrufezeichen längst mehr als das, es wird offenbar dringender gebraucht als früher. Haben unsere Sätze und Wörter denn zu wenig Wirkung?  Denken wir, dass unser Geschriebenes ohne Rufzeichen weniger wichtig genommen wird? Der Kulturkritiker Theodor Adorno nannte das Ausrufezeichen vor mehr als fünfzig Jahren eine »verzweifelte Schriftgebärde, die vergebens über die Sprache hinausmöchte«.

Schrift muss heute nicht ohne Gestik und Mimik auskommen. Wir haben schließlich emojis und smileys. Oftmals liest man ein E-Mail bis am Schluss und prüft, ob sie nicht vielleicht witzig gemeint sein könnte.  Beim Gespräch kann man ein Augenzwinkern leicht erkennen – in einer Mail nicht. Deshalb helfen in der Schriftsprache kleine Tricks, die deutlich machen, was man wirklich meint. Besonders populär: Smileys wie 🙂  / 😉 / 😦

Sparsam verwendet finden sie auch in der Kunden-Kommunikation guten Anklang. Verzichten Sie in Kunden-E-Mails auf Versalien (Großbuchstaben)  und Ausrufezeichen. Mit Ihrer E-Mail möchten Sie den Adressaten sicherlich nicht anschreien. Genau das tun Sie aber, wenn Sie einzelne Wörter oder ganze Passagen in Großbuchstaben schreiben – oder wenn Sie den Satz mit mehreren Ausrufezeichen beenden.

Verfassen Sie E-Mails und Texte wie einen normalen Brief, mit Groß- und Kleinschreibung. Und statt Ausrufezeichen verwenden Sie einfach den Punkt. Ihr Schreiben ist auf diese Weise höflicher und zudem viel einfacher zu lesen. Man schreibt heute so, wie man (schön) spricht.

Mehr zum Thema „Moderne Kundenkommunikation“ gibt es auch in meinem Seminar 5* Service am Telefon, 6. bis 7. Juni 2018 in St. Pölten

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