Tag 9: Die Kunst authentisch zu sein

Spielen wir nicht alle unsere Rollen, jeden Tag? Tagein, tagaus entsprechen wir Erwartungen im Job, erfüllen manches Klischee, erfüllen Geschlechter- oder Status-Stereotypen im Büro oder spielen Rollen im Privaten, um anderen zu gefallen, sie zu provozieren oder beachtet zu werden – je nach Bedarf. Aber ist das alles noch echt oder schon eine faustdicke Lebenslüge? Verständlich, dass da in Vielen die Sehnsucht nach Authentizität wächst, der Wunsch die Masken abzunehmen, echt zu sein – authentisch eben. Aber geht das überhaupt – und wenn ja wie?

Was assoziieren Sie mit „authentisch sein„? Sich nicht verbiegen lassen? Aufrecht sein? Glaubwürdig, zuverlässig, echt sein? Keine faulen Kompromisse eingehen?

Das Wort für Authentizität leitet sich vom Griechischen authentikós ab: „Autos“ bedeutet selbst und „ontos“ sein. Authentisch zu sein bedeutet also übersetzt so viel, wie man selbst zu sein. Authentizität beginnt damit immer bei sich selbst: Authentische Menschen wirken echt, ungekünstelt, offen und entspannt. Ein authentischer Mensch strahlt aus, dass er zu sich selbst steht, zu seinen Stärken und Schwächen. Er ist gewissermaßen im Einklang mit sich selbst und das spürt auch die Umwelt. Charismatische Menschen sind immer authentisch. Aber authentische Menschen nicht zwangsläufig charismatisch. Ich denke da immer an Donald Trump – ich befürchte er ist so, wie er ist.

Unsere Profile im Internet haben meist verschiedene Facetten:  Auf Facebook der nette Kumpel mit dem aufregenden Partyleben, auf Xing ganz Profi: nüchtern, sachlich, seriös. Wir präsentieren uns so, wie wir denken, dass andere uns sehen wollen.  Wir optimieren uns sozusagen. Im Verkauf nennt man das dann Selbstmarketing.  Ich merke das immer beim Lesen von Bewerbungen oder auch in persönlichen Bewerbungsgespräche. Bewerber sind darauf vorbereitet, das Richtige zu sagen – bzw. das vermeintlich Richtige, also das, was vom anderen erwartet wird.

Das wirft für das Gegenüber die Frage auf;

  • Was davon ist eigentlich echt?
  • Wo endet die noch zulässige Eigenwerbung und wo beginnt der Bluff?

Unsere Persönlichkeit ist allerdings kein zementierter Zustand. Vielmehr verändern wir unsere Identität im Schnitt alle 20 Jahre, so jedenfalls das Ergebnis einer Studie von Margaret King und Jamie O’Boyle. Danach liegen die typischen Anpassungsphasen in etwa im Lebensalter zwischen 15 und 20, 35 bis 40, 55 bis 60 sowie über 75 Jahren. Der abgeschlossene, fertige Mensch, der so ist, wie er ist, ist also eine Illusion.

Die 4 Kriterien der Authentizität

Die Sozialpsychologen Michael Kernis und Brian Goldman unterscheiden hierbei vier Kriterien, die erfüllt sein müssen, damit wir uns selbst als authentisch erleben:

Bewusstsein.

Wir müssen unsere Stärken und Schwächen ebenso kennen wie unsere Gefühle und Motive, also warum wir uns so oder so verhalten. Erst durch diese Selbstreflexion sind wir in der Lage, unser Handeln bewusst zu erleben und zu beeinflussen.

Ehrlichkeit.

Leider neigen wir Menschen dazu, uns schöner zu sehen als wir sind. Wer authentisch sein will, muss der Realität ins Auge blicken und auch unangenehmes Feedback akzeptieren.

Konsequenz.

Wer Werte hat, sollte danach handeln. Das gilt auch für einmal gesetzte Prioritäten oder für den Fall, dass man sich dadurch Nachteile einhandelt. Kaum etwas wirkt verlogener und unechter als ein Opportunist.

Aufrichtigkeit.

Natürlich lässt sich eine zeitlang ein geschöntes Bild aufrecht erhalten. Wer glaubhaft sein will, muss die Größe zeigen, auch seine negativen Seiten zu offenbaren.

Authentizität beginnt immer bei sich selbst. Wer versucht, Rollen und Klischee zu entsprechen, bewegt sich davon schon weg, ist zwar vielleicht beliebt, aber häufig auch angepasst und unecht.

  • Ein Kunde lässt Sie 30 Minuten warten, obwohl Sie zu einem fix vereinbarten Termin pünktlich gekommen sind und entschuldigt sich nicht einmal für die Verspätung. Was sagen Sie dazu?  (freue mich, über viele Kommentare!)

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2 Gedanken zu „Tag 9: Die Kunst authentisch zu sein

  1. Guten Morgen Frau Wagner!
    Muss ihnen zwischendurch mal Gratulieren, zur Idee und zu den punktgenauen Hinweisen, eigentlich möchte ich sagen „wie immer“
    lghw

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